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Könnte das Kabel-TV zur Fußball-EM abgedreht werden?
19.05.2024
Ein Abschied steht bevor: Das etablierte Nebenkostenprivileg für Kabelfernsehen zählt seine letzten Tage. Ab Juli 2024 müssen Mieter aktiv werden und eigene Verträge mit Kabelunternehmen schließen oder sich nach Alternativen im Internet-TV-Bereich umsehen. Inmitten dieser Umbruchphase und zeitgleich mit der Fußball-EM steht die Frage im Raum, ob Kabelanbieter wie Vodafone das Signal zu Beginn des Julis unterbrechen könnten. Erhellende Antworten hierzu wurden auf der ANGA COM in Köln von Branchengrößen gegeben.
Vodafone erwägt Stopp des Kabelfernsehens zur Fußball-Europameisterschaft
Laut Vodafone-Manager Andreas Fuchs behält sich das Unternehmen vor, bei Kunden ohne aktuellen Vertrag während der EM das Kabelsignal zu unterbrechen. Jedoch stellt Vodafone klar, dass eine tatsächliche Abschaltung am angedachten Datum aufgrund technischer und logistischer Einschränkungen – wie dem erforderlichen Zugang zu Kundenwohnungen – kaum durchführbar wäre. Mit dem Ziel, eine reibungslose Übergangsphase zu gewährleisten, hat Vodafone bereits im vorherigen Herbst mit der Umstellung auf neue Verträge begonnen. Nichtsdestotrotz steht eine beträchtliche Anzahl an Kunden noch aus, die über die Änderungen aufgeklärt und entsprechend beraten werden müssen. Hierbei setzt Vodafone insbesondere auf den direkten Kontakt durch ihre Außendienstmitarbeiter.
Bevor das Kabelsignal endet: Tele Columbus gewährt Kunden eine Schonfrist
Mit dem nahenden Aus des Nebenkostenprivilegs sieht sich Tele Columbus, der Anbieter hinter PŸUR, der Aufgabe gegenübergestellt, eine Million Verbraucher auf eine individuelle Zahlungsbasis umzustellen, weg von der bisherigen Bundlesabrechnung durch Vermieter. Vorstand Christian Biechteler ist sich bewusst, dass durch diese Umstellung und den Werbedruck von Konkurrenten wie MagentaTV Kundenverluste eintreten könnten, bleibt aber gleichzeitig zuversichtlich, dass viele die Basisversorgung durch Kabel weiterhin schätzen werden, unabhängig davon, dass parallel Wachstum in den Segmenten Internet und Telekommunikation angestrebt wird.
Die Kooperation mit der Wohnungswirtschaft verläuft zur Zufriedenheit des Unternehmens, das plant, seinen Kunden eine Übergangszeit für den Vertragsabschluss im Juli zu gewähren, bevor eine vollständige Netzabschaltung erfolgt. Nachvermarktungsstrategien stehen ebenso im Raum. Für die Ausführung der Abschaltung sind bereits 200 fachkundige Handwerker bei Tele Columbus im Einsatz.
Ab Juli: Das Vorgehen von Willy.tel und M-net im Detail
Bernd Thielk, Geschäftsführer des Hamburger Providers Willy.tel, kündigt an, dass sein Unternehmen zu Beginn des kommenden Julis zum letzten Mittel greifen und die TV-Dienstleistung für nicht reagierende Kunden einstellen wird. Die Fähigkeit zur Abschaltung ist jedoch durch die begrenzte Verfügbarkeit von Technikern und die Struktur alter Kabelnetze, die keine selektive Trennung erlauben, eingeschränkt.
Derweil verlässt sich das Münchener Unternehmen M-net darauf, dass die Kommunikation über die drohende Einstellung des Service bis zum Juli bei den Kunden ankommt. Laut des Managers Wolfgang Wallauer ist es essentiell, dass Kunden für die erbrachte Leistung bezahlen, da dies die Basis für die Erbringung des Services durch M-net bildet.
Auf Nachgiebigkeit gebaut: Wohnungswirtschaft vertraut auf Kulanz bei Kabelprovidern
Um die bevorstehende Beendigung des Nebenkostenprivilegs zu begleiten, intensiviert Claus Wedemeier vom GdW Bundesverband die Informationskampagne für Mieter. Es wird gehofft, dass Kabelanbieter mit Nachsicht reagieren und ihre Marketingbemühungen verstärken. Gerade in Zeiten, in denen Partnerschaften für den Glasfaserausbau im Raum stehen, wäre es kontraproduktiv, den Mietern das Kabel-TV während eines sportlichen Großereignisses wie der EM zu entziehen.